Jutta Riedel-Henck · Schulstr. 10 · 27446 Deinstedt

An das
Bundesministerium für Justiz
und für Verbraucherschutz
11015 Berlin

15.10.2020

Betr.: Betreuungsrecht, destruktive Auswirkungen statt echte Hilfe

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Liedermacher Reinhard Mey sprach mit seinem Lied „Ein Antrag auf Erteilung eines Antragformulars“ (1977) vielen deutschen Bundesbürgern aus der Seele:

 

»Mein Verhältnis zu Behörden war nicht immer ungetrübt, was allein nur daran lag, dass man nicht kann, was man nicht übt.«

 

Mit dieser Einstellung ging ich einst auf all die zunächst unangenehmen Situationen in meinem Leben zu, während ich mir sagte: Auch in Behörden arbeiten Menschen mit Herz und Verstand, also will ich freundlich sein und mein Bestes geben, mich ihnen mitteilen von Mensch zu Mensch, um die anstehenden Probleme bzw. Projekte gemeinsam zu bearbeiten.

Gerne erinnere ich mich an einen Besuch im Finanzamt, zu dem mein Mann und ich geladen wurden, um einige Unklarheiten zu erläutern, die den Finanzbeamten hätten vermuten lassen können, dass wir Steuern hinterziehen. Er wunderte sich über unser geringes Einkommen.

Im Laufe des Gespräches konnte ich ihm aufzeigen, dass sein Misstrauen unbegründet war, und nachdem er meine Webseiten aufgerufen hatte, um zu prüfen, ob die Kosten für den Provider als Werbungskosten geltend gemacht werden dürften, kamen wir, angeregt durch die Inhalte der von mir betreuten Webseiten, auf seinen Sohn zu sprechen, den er uns als geistig beeinträchtigt vorstellte.

Unser Gespräch verlief nun in zunehmend entspannter Atmosphäre. Der Finanzbeamte half uns, die elektronischen Formulare auf eine Weise auszufüllen, dass er selbst (bzw. seine Kollegen/innen) weniger Arbeit bekam, und ich sprach ihm Mut und Trost zu als Vater eines Sohnes, der in unserer Gesellschaft nicht immer als gleichberechtigte Persönlichkeit wertgeschätzt und behandelt wurde.

Von nun an konnten wir Jahr um Jahr unsere Steuererklärungen auf eine Weise ausfüllen und bearbeiten, die auch den Finanzbeamten entgegenkam.

Ein freundlicher Umgangston, gegenseitige Rücksichtnahme, Teamwork im Umgang mit Gesetzen, Formularen und ihrer Handhabung, ohne misstrauische Einstellung, evtl. „übers Ohr gehauen zu werden“, dies entspricht meiner Lebenseinstellung.

Als mein Mann mir im Mai 2018 ein Schreiben des Amtsgerichtes Bremervörde vorlegte, da es um seine Betreuung ging, glaubte ich naiv, es handelte sich um eine gerichtliche Anordnung, meinem Mann zu helfen, ihn in den dort aufgeführten Bereichen zu unterstützen, ihm zur Seite zu stehen und auch mich zu entlasten, denn wir hatten bis dahin eine sehr, sehr schwierige Zeit miteinander, die ich inzwischen gegenüber den Gerichten und weiteren Beteiligten ausführlich beschrieben habe.

Es kam jedoch vollkommen anders. Hatte ich geglaubt und für selbstverständlich befunden, mit der Betreuerin zusammenzuwirken, mich mit ihr auszutauschen, als Team zu wirken, wurde ich ausgegrenzt und blieb alleine zurück mit all meinen Sorgen um meine Ehe, das Haus, Finanzierung eines Heimplatzes ... und und und.

Von dem Betreuungsrecht hatte ich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Ahnung. Was ich nun erlebte, glich einer Entmündigung, nicht nur meines Mannes, sondern gleichfalls von mir.

Nach und nach habe ich mich belesen, von vielen anderen Fällen erfahren, da die Angehörigen ausgeschlossen, ohnehin durch die Krankheit des Betroffenen belastete Beziehungen zerstört bzw. deren Wiederannäherung behindert wurden, und dies mit existenziell nachhaltigen unwiderruflichen Folgen.

Dennoch versuchte ich weiterhin auf dem mir selbst sinnvoll und menschenwürdig erscheinenden Weg, mich als Mensch zu äußern, mich an Menschen zu wenden, zu erklären, Lösungen zu suchen, Auswege, neue Perspektiven einzunehmen ... um dabei an meine Grenzen gestoßen zu sein, denn die rechtliche Betreuerin meines Mannes, von Beruf Rechtsanwältin, scheint an dieser Art des Austausches keinerlei Interesse zu haben.

Stattdessen finde ich mich nun als Antragsgegnerin meines Mannes vor Gericht wieder. Nicht mein Mann hat mich verklagt, sondern die Betreuerin hat eine Rechtsanwältin damit beauftragt, mich zu verklagen bzw. meinen Mann gegen mich klagen zu lassen, welcher dazu weder in der Lage ist noch je solche Ambitionen mir gegenüber auch nur ansatzweise zum Ausdruck brachte.

Ich bin keine Juristin. Mir lag es immer fern, mich über das Gericht mit meinen Angehörigen, Freunden, Nächsten „auszutauschen“ und Konflikte, Missverständnisse zu klären. Jetzt werde ich dazu durch die Vorgehensweise der Betreuerin gezwungen.

Was habe ich alles geschrieben ... noch immer der Menschenwürdigkeit verpflichtet im Umgang mit meinen Nächsten und auch weniger Nächsten inklusive der Betreuerin.

Ob es sich hier um einen Einzelfall handelt oder die Spitze eines Eisberges, – ich verstehe nicht, wie ein Gesetz zum einen so betitelt werden kann (Betreuung), zum anderen Personen das Recht einräumt, über existenziell grundlegende Angelegenheiten von hilfsbedürftigen Menschen zu verfügen, ohne die Biografie des „Betreuten“ mitsamt seinen persönlichen Beziehungen und Bindungen in das Verfahren einzubeziehen, so dass ohnehin durch die Krankheit belastete familiäre Beziehungen zerstört werden, um – wie in meinem Fall – jegliche Lösungsversuche zu blockieren und zurückzuweisen, dass am Ende sogar der Selbstmord in Erwägung gezogen wird.

Was kann ich bitte tun, um die zuständigen Gesetzgeber zu wecken und heute, jetzt, am besten sofort eine Änderung zu bewirken? Was muss alles passieren, damit die zuständigen Gesetzgeber sich in die direkte Nähe der Bürger, der Betroffenen begeben, um sich mit jenen, die von diesen Betroffenen um Hilfe gebeten werden, zusammenzusetzen und gemeinsam menschenwürdige Gesetze zu schaffen, die wirklich und wahrhaftig zum Wohl des Betreuten im Rahmen seiner sozialen Eingebundenheit, d. h. zum Wohl von Familien, Beziehungen, Lebensgemeinschaften, zum Wohle der Gesellschaft, zu unser aller Wohl im gemeinsamen Miteinander sind?

Bitte, was kann ich tun? Ich möchte keine von diesen unendlich ausufernden Petitionen starten, ich habe auch keine Zeit zu demonstrieren, mich mit lauter Rechtsanwälten herumzuschlagen, Jahre um Jahre zu warten. Wie sollte das auch gehen? Meine Existenz steht JETZT auf dem „Spiel“. All die betroffenen Existenzen stehen JETZT auf dem „Spiel“. Und dieses JETZT hatte eine sehr lange Vorlaufzeit, in der bereits vieles hätte verändert werden können zum Wohle der betroffenen Menschen – durch den Gesetzgeber!

Im Umgang mit „Corona“ wurde nichts aufgeschoben. Warum hier? Weil die Problematik nicht in ihrer schwerwiegenden, menschenunwürdigen, destruktiven, Seelen verletzenden und -vernichtenden Tragweite gesehen werden will?

Ich flehe Sie an, legen Sie dieses Schreiben nicht einfach in eine Ablage unter eine Ablage unter eine Ablage für Anträge von Anträgen von Anträgen ... sondern mitten auf den Tisch der Person und der Personen, die darüber entscheiden, was mit Menschenleben und -seelen Tag für Tag geschehen darf, um das Wort Treue auf eine Weise zu veruntreuen, die alle ehrwürdigen und verantwortungsbewussten Denker/innen und Schriftsteller/innen unseres wunderbaren Landes sich im Grabe umdrehen ließe, während ich noch über einen physischen Körper, Computer, Drucker, Papier, Kugelschreiber und Briefmarke verfüge, um dieses Schreiben aufzusetzen und an Ihre Adresse zu senden mit dringender Aufforderung, mir darauf zu antworten.

Noch hoffe ich auf einen Funken von Menschlichkeit, Herz und Verstand in den Kreisen der Verantwortlichen.

Bitte nehmen Sie sich dieses Themas an! Es ist in unser aller Interesse, zum Wohle aller! Wir alle sind EIN Team! Und nur als Team können wir die Probleme meistern, nicht nur im Umgang mit Corona!

Mein/unser persönlicher Fall ist in beiliegenden Akten (in Form von pdf-Dateien) dokumentiert. Machen Sie sich selbst ein Bild, wie rücksichtsvoll, umfassend, analytisch ich die Zusammenhänge in zwischenmenschlichen Beziehungen mit daraus resultierenden Missverständnissen darzustellen versuche, d. h. auch wie komplex die gesamte Problematik anzugehen ist, vor allem aber, welche Voraussetzung ein Mensch mitbringen müsste, der hier als hilfreicher „Betreuer“ einzusetzen wäre. Ein umfassendes Studium müsste dieser Tätigkeit vorausgehen! Insbesondere mit dem Schwerpunkt Psychologie und Pädagogik, Kommunikation, Konfliktbewältigung und ganz besonders mit der Bereitschaft und Fähigkeit zu Empathie und Nächstenliebe.

Ebenso lege ich Ihnen mein Buch „Freiheit – Frechheit“ als pdf-Datei (E-Book) bei, in dem ich solche und weitere Probleme im Umgang mit Sprache insbesondere bezogen auf das Betreuungsrecht thematisiert habe.

Es gibt viel zu tun, ganz sicher. Zum Aufschieben dieser tiefgründigen noch ausstehenden Arbeit sehe ich allerdings keinen Platz mehr in unserer „Zukunft“, zumal wir unsere Zukunft immer nur jetzt gestalten können. Es brennt jetzt! Morgen würde alles abgebrannt sein. Dann bleibt nur noch der Himmel oder vielleicht der Mars, um von dort über unser verpatztes Erdenleben zu klagen.

 

Alles Gute!

 

Mit stets freundlichen Grüßen

 

Jutta Riedel-Henck

 

→ Dieses Schreiben veröffentliche ich gleichfalls über mein neues Projekt www.betreutenschutz.de

 

- Anlagen: wie erwähnt -